Capoeira Angola

Capoeira Angola

 

In der Capoeira Angola sind die Grenzen zwischen Tanz, Kampf und Spiel fliessend. Der Dialog aus abwechselnd Angriff und Verteidigung wird in einem Kreis (Roda) ausgetragen, welche die anderen Spieler durch Gesang und Musik animieren. Die Spieler in der Roda machen oft scheinbar unkoordinierte und sehr langsame Bewegungen, jedoch ist dies nur Täuschung, denn aus einer solchen Bewegung hinaus kann blitzschnell angegriffen werden. Jedes Spiel ist einzigartig und wird vom Charakter und Stil der einzelnen Spielern, deren Humor, und der Musik der Roda geprägt. Es wird Wert auf ein harmonisches Zusammenspiel gelegt und gegenseitigen Respekt. Angriffe sollen zielgerichtet ausgeführt werden, jedoch nur so, dass niemand dabei verletzt wird.

 

Wie für die meisten, von indigenen oder afrikanischen Einflüssen geprägten Praktiken in Brasilien, gibt es auch für die Capoeira keine konkrete historische Dokumentation. Nach der Abschaffung der Sklaverei in Brasilien wurden auf Befehl von Marechal Deodoro Danfonseca, die offiziellen Dokumente über die Kultur dieser Völker verbrannt. Aber eines ist sicher, der Ursprung der Capoeira scheint in Brasilien zu sein. Denn bis heute, hat man ausserhalb von Brasilien, zum Beispiel in Afrika, nur ähnliche Fragmente gefunden, die auf gleiche Wurzeln hindeuten.

 

Das Wort Capoeira kommt wahrscheinlich von dem Ausdruck Caá pu êra aus der indianischen Sprache Tupi-Guarani und bedeutet geschnittener Rasen. Eine Theorie besagt, dass die Sklaven von den Herren des Landguts mit dem Term Capoeira betitelt wurden: Schaut die Schwarzen spielen in der Capoeira, die Schwarzen in der Capoeira, die schwarzen Capoeira. Der Term soll dann übernommen worden sein als Name für diese Kampfkunst der Sklaven. Da es nicht zulässig war das Sklaven sich zu Kämpfern ausbilden, machte die Capoeira verschiedene Phasen der Dissimilation durch. Einst wurde sie als Spiel dissimuliert und nach der Einführung der Musikinstrumente als Tanz. Die musikalische Komponente war auch sehr wichtig in der Zeit nach der Abschaffung der Sklaverei, als die Capoeira von 1890-1940 verboten war.

 

In den 30er-Jahren verbreitet Mestre Bimba eine neue Methode für den Unterricht der luta regional baiana (regionaler Kampf Bahia's), welche später Capoeira Regional genannt wird. Mestre Bimba hatte viel Einfluss und durfte an der Universidade da Bahia unterrichten. Er trat vor dem Gouverneur Bahia's auf und erhielt die Erlaubnis, unter Einhaltung gewisser Bedingungen, eine Akademie zu eröffnen. Später tritt er sogar vor dem damaligen brasilianischen Präsidenten Getulio Vargas auf. Damit war dem Capoeira-Verbot in Brasilien 1940 endgültig ein Ende gesetzt.

 

Mit der Mode der Capoeira Regional ist jedoch die andere "primitive" Capoeira etwas in Verruf geraten. Um sich von der Capoeira Regional abzugrenzen, wurde diese Capoeira, die, der einstmals von den Sklaven praktizierten Capoeira näher kam, als Capoeira Angola bezeichnet. Der Name kommt von der Annahme, dass die Capoeira stark vom angolanischen N'gôlo oder Zebra-Tanz beeinflusst ist. Es handelt sich dabei um ein tribales Hochzeitsritual, bei dem Jünglinge um eine junge Frau wettstreiten.

Mestre Pastinha (Vincente Ferreira Pastinha) beendet die Isolation der Mestres angoleiros und eröffnet wie Mestre Bimba eine Akademie. Er hat Uniformen eingeführt und der Musik und den Instrumenten eine Struktur gegeben und hat bis zu seinem Lebensende seine Kunst verteidigt. Er hat mehrere Anhänger hinterlassen, die sein Werk in die Welt hinaus tragen.

Text: Téco Canindé

Übersetzung: Natascha Wyss